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Bürgerliste/FWG Linsengericht skeptisch gegenüber Rastplätzen an der A 66
25.01.2012
Bei einem Ortstermin auf dem bestehenden Autobahnparkplatz an der A66 zwischen den Abfahrten Gelnhausen West und Gelnhausen Ost informierten sich Mandatsträger und Mitglieder der Bürgerliste Linsengericht kürzlich über das Großprojekt Park- und Rastanlage. Bekanntlich soll der bestehende Parkplatz zur sogenannten „Park- und WC-Anlage Kinzigtal“ deutlich erweitert, sowie auf der gegenüberliegenden Seite etwas weiter westlich, „also quasi kurz hinter dem Tegut-Markt“, wie Altenhaßlaus Ortsvorsteherin Ingrid Schmidt es süffisant bemerkte, eine komplett neue Park- und WC-Anlage mit dem vordergründig schönen Namen „Kinzigaue“ entstehen.

„Zwar befinden sich beide Anlagen noch im Planungsstadium eines Vorentwurfes, doch trotzdem wollen wir frühzeitig auf die Risiken hinweisen, die bei einer Weiterverfolgung des Projektes entstehen würden“, so BGLFWG-Fraktionsvorsitzender Heinz Breitenbach, der ergänzte, dass die Projektnamen der beiden Anlagen genau die Bereiche, also das Kinzigtal und die Kinzigaue, bezeichnen, die seiner Auffassung nach durch das Vorhaben massiv beeinträchtigt würden.

„Warum soll ein solches Projekt ausgerechnet an einer der engsten Stellen des Kinzigtales umgesetzt werden, die durch die Kreisstraße K 898, die Landesstraße 3333, die hoch frequentierte Bahnstrecke Frankfurt-Fulda, die Kinzig und natürlich die Autobahn A 66 selbst, bereits verkehrlich relativ hoch belastet und noch dazu dicht bebaut ist?“, fragt sich Professor Dr. Matthias Rohde, Vorsitzender des Ausschusses für Verkehr, Bau und Energieplanung der Linsengerichter Gemeindevertretung.

„Neben dem bereits ausführlich in der Presse dargestellten Thema Hochwasser, welches unserer Meinung nach alleine schon die Sinnhaftigkeit der gesamten Maßnahmen an dieser Stelle deutlich in Frage stellt, möchten wir heute aber auch noch auf andere Kritikpunkte hinweisen“, ergänzte Gemeindevorstandsmitglied Sebastian Dein (BGL), der im Anschluss die Stichworte Kriminalität („solche Rastplätze beinhalten immer auch die Gefahr zu einem, sagen wir einmal wohlwollend, „Warenumschlagsplatz“ zu werden“) und Flächenversiegelung durch die Schaffung zusätzlicher LKW-, PKW-Parkplätzen und allen dazu nötigen Verbindungsstraßen nannte. „Hinzu kommen die unvorstellbaren Dimensionen der für die beiden Rastanlagen notwendigen Erdbewegungen, denn fast 50.000 m³ verbauter Retentionsraum sollen an anderer Stelle ausgeglichen werden – mit allen Konsequenzen für Mensch und Natur, wie Lärm, Abgasen und dem Wegfall von artenreichem und über Jahrhunderte gewachsenem Auenland.“

Das Wetter beim Ortstermin am Samstag passte zu den Hochwasserbefürchtungen der Bürgerliste, denn im Bereich der Kinzigauen war schon deutlich zu erkennen, dass die Böden stark durchfeuchtet und bei weiteren Niederschlägen sehr schnell überflutet werden, an einigen Stellen stand bereits das Wasser. Bei künftigen Starkregenereignissen oder größeren Mengen an Schnee mit der nachfolgenden Schneeschmelze befürchtet man, dass die Kinzig deutlich über die Ufer tritt und lehnt daher die Erweiterung der Rastanlage ab.

„Wenn wir dann, wie kürzlich geschehen, in der Presse lesen müssen, dass Bürgermeister Albert Ungermann (SPD) sich, wie übrigens im letzten Jahr auch schon beim Thema Fluglärm, eher passiv verhält und nicht bereits jetzt klar gegen die Rastanlage Position ergreift, dann muss man sich schon fragen, welchen Interessen er dient, denn wie sagte schon Bertolt Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ In diesen Zusammenhang erinnern wir übrigens noch einmal daran, dass die Gemeindevertretung Linsengericht am 22.02.2011 einen einstimmigen Beschluss gegen die Pläne mit der Rastanlage gefasst hat, zwar vor der Kommunalwahl, aber doch vor noch nicht einmal einem Jahr.“, so die Linsengerichter Bürgerlistenvertreter abschließend.


von links: Ingrid Schmidt, Gisela Bohlender, Rainer Gerst, Sebastian Dein u. Heinz Breitenbach am Parkplatz an der A 66

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