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Informationen zum Thema Windkraftanlagen fließen spärlich aus dem Linsengerichter Rathaus
31.03.2012
In der letzten Gemeindevertretersitzung am 31.01.2012 hatte die Bürgerliste/FWG Linsengericht sechs Fragen zum Thema Windkraftanlagen in Linsengericht gestellt. Die nun vorliegenden Antworten von Bürgermeister Albert Ungermann sind wenig aussagefähig und lassen nur den Schluss zu, dass der von der rotgrünen Mehrheit im Oktober 2011 gestellte Antrag die mögliche Errichtung von Windkraftanlagen auf gemeindeeigenen Flächen zu untersuchen, nicht mit der notwendigen Ernsthaftigkeit verfolgt wurde oder dass hier nicht alle vorliegenden Informationen den Oppositionsfraktionen zur Verfügung gestellt werden sollen. „Unsere Fraktion stellt sich nicht grundsätzlich gegen Windräder. Wir möchten nur vorher über alle Details informiert werden und die offenen Fragen geklärt haben, um dann alle Aspekte in Ruhe und auf der Basis aller vorliegenden Informationen diskutieren und abwägen zu können,“ macht der Fraktionsvorsitzende Heinz Breitenbach im Vorfeld der anstehenden Gemeindevertretersitzung am Donnerstagabend die Position der BGL/FWG Fraktion deutlich.

„Die Bürgerliste sieht nach wie vor eine Vielzahl von offenen Fragen rund um die angedachten und von rot-grün insgeheim offenbar schon beschlossenen Windräder im Bereich des „Glasberg“ südlich von Breitenborn / Lützel im hintersten Winkel des Linsengerichter Gerichtswaldes und in der „Rauhen Heil“, die westlich von Breitenborn / Lützel liegt,“ ergänzt BGL/FWG-Pressewart Sebastian Dein.

Neben dem Wegebau zu den vorgesehenen Standorten und dem Flächenbedarf (Rodungsfläche?) für den Aufbau pro Windrad fragt man sich bei der BGL auch, wie die Fundamente, der eigentliche Aufbau des Turmes, dessen Aufbau und Höhe inklusive Gondel und Rotorblättern beschaffen sein und gestaltet wird und wer die Verantwortung trägt, die Wege für Wartungsarbeiten beispielsweise auch im Winter freizuhalten.

Auch wirtschaftlich stellt sich die Frage, ob sich die Windenergieerzeugung bei erwarteten Windgeschwindigkeiten von 6 Metern pro Sekunde langfristig lohnt und ob diese Windgeschwindigkeit lediglich aus der kürzlich im Main-Kinzig-Forum vorgestellten Erhebung der FH Frankfurt entnommen wurde oder auch noch mit Messungen, beispielsweise über ein Jahr, belegt werden sollen, um die Windverteilung über einen längeren Zeitraum für konkrete Berechnungen zur Verfügung zu haben.

„Hier ist nach unserer Sicht auch eine belastbare Rückbauverpflichtung des Investors nach der Nutzungszeit von mutmaßlich 20 bis 25 Jahren vonnöten, die in den Vertragsverhandlungen nicht vergessen werden darf, damit die Gemeinde später keine Folgeprobleme ausbaden muss.“, so das ehrenamtliche BGL-Gemeindevorstandsmitglied Sebastian Dein.

Weitere Fragen stellen sich bei der Beteiligung von Bürgern an der Finanzierung (Genossenschaftsmodell?) der pro Windrad bis zu 5 Millionen Euro teuren Investition, also beispielsweise, welche Verzinsung ab welchem Zeitpunkt für das eingebrachte Kapital gezahlt wird und welche Möglichkeiten es gibt, bei Bedarf vorzeitig die eingezahlte Summe ohne Verluste wiederzubekommen. Außerdem fragt man sich, welche Beträge letzten Endes als Pachteinnahmen an die Gemeinde fließen sollen und ob diese vertraglich genau festgelegt oder abhängig von der tatsächlichen Stromerzeugung, der jeweils aktuellen Strompreise und Einspeisevergütungen oder zusätzlichen anderen Faktoren sind?

Daneben gibt es noch die Einspeisethematik, also die Frage, ob die hiesigen Stromnetze zur Aufnahme von zeitweise bei Spitzenlast sehr viel Energie ausgelegt sind, wie hoch und wie stabil die Einspeisevergütung mittelfristig ist und welche Arbeiten im Zusammenhang mit dem Anschluss eines Windparks an das heimische Stromnetz verbunden sind.

„Auch eine eventuell ratsame Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden wie Biebergemünd und Westerngrund sollte ins Auge gefasst werden, um Kosten durch Synergieeffekte wie zum Beispiel vielleicht dann nur einmal notwendige Gutachten etc. zu erzielen.“, so BGL-Mitglied Hans-Gerd Adler aus Eidengesäß, der sich ebenfalls sehr intensiv mit dem Windkraft-Thema befasst hat.

Außerdem gibt es in Deutschland, wenn man entsprechenden Medienberichten der DPA glauben darf, bereits heute hin und wieder Probleme mit zeitweise zu viel erzeugtem Strom aus Wind- oder Solarenergie, der dann angeblich Zwangsabschaltungen von Windkraftanlagen zur Folge hat. Durch diese sind Studien zufolge schon im Jahr 2010, also vor Fukushima, dem Atomausstieg und dem vermehrten Ausbau erneuerbarer Energien, bereits bis zu 150.000 Millionen Kilowattstunden an Windstrom verloren gegangen. Einige Nachbarländer wehren sich an windstarken Tagen schon gegen eine Schwemme von Windstrom aus Deutschland und erwägen Stromsperren gegen die Einfuhr des deutschen Ökostroms. „Es gibt also ein Netz- und vor allem ein Speicherproblem für den bei Wind und Sonne im Überfluss vorhandenem Strom und genau hierauf sollte der Fokus liegen, bevor man zusätzliche Anlagen an jeder mehr oder weniger geeigneten Stelle baut.“, so die Bürgerlistenvertreter abschließend.

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